pferde-futter-shop.de

Die Aufzucht des Fohlens in den ersten Lebenswochen

Von Dr. E. Stephan, Salvana

Die Fohlenaufzucht ist ein große Herausforderung an den Pferdezüchter. Fehler, die in dieser Zeit gemacht werden, sind später oft nicht mehr zu korrigieren und belasten das Pferd ein Leben lang.

Verluste bei den Saugfohlen können viele Ursachen haben. Genetische Ursachen wie Erbkrankheiten oder Erbdefekte müssen bereits bei der Auswahl des Hengstes beachtet werden.

Ebenfalls sind jetzt mögliche Managementfehler bei der Stute leider nicht mehr rückgängig zu machen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt jetzt bei der Versorgung des Fohlens.

Die Bedeutung der Biestmilch oder auch Kolostralmilch (= Kolostrum) unmittelbar nach der Geburt ist unumstritten. Die Biestmilch ist für die Übertragung der Immunglobuline zum Immunschutz vor Infektionen (passiven Immunisierung) verantwortlich.
Gleichzeitig ist sie aber auch ein Energielieferant für das Fohlen, da neugeborene Fohlen nur geringe Energiereserven besitzen. Die Biestmilch hat weiterhin eine ganz leicht abführende Wirkung zur Lösung des Darmpechs (Mekonium). Geht das Darmpech nicht von alleine ab, muss dann eine gezielte Darmentleerung eingeleitet werden.

Die Immunglobuline, auch als Antikörper bekannt, sind eine Gruppe von verschiedenen Klassen und Unterklassen von Immunglobulinen, die sich in Größe und Aufgabe unterscheiden. Bezeichnet werden die verschiedenen Immunglobuline (Ig´s) nach Wirkung, entsprechend IgA, IgG, IgM und das IgE.

Während der gesamten Trächtigkeit ist der Transfer von maternalen Antikörpern von der Stute auf das ungeborene Fohlen fast gleich Null, da die Plazentaschranke für solche Makromolekülen wie den Immunglobulinen nahezu undurchlässig ist. Damit ist kein ausreichender Infektionsschutz vorhanden, so dass das frisch geborenen Fohlen auf die Aufnahme der Immunglobuline über das Kolostrum unbedingt angewiesen ist.

Um stallspezifische Antikörper bilden zu können, muß die Stute sich mindestens 6 Wochen in dem Stall stehen, in dem das Fohlen auch geboren werden soll.

Die hohe Konzentration der Immunglobuline im Euter der Stute sinkt jedoch nach der Geburt des Fohlens stetig ab. Wichtig ist darauf zu achten, dass bei vorzeitigem Milchfluß das „kostbare Kolostrum“ nicht verloren geht.

Parallel nimmt beim Fohlen die Absorption der Immunglobuline über den Darm im Laufe der Zeit ebenfalls ab. Das Maximum der Absorption der Immunglobuline im Fohlendarm liegt ca. 3 bis 6 Stunden nach der Geburt. Bereits 20 Stunden nach der Geburt werden die neonatalen Darmzellen durch spezialisierte epitheliale Darmzellen ersetzt. Diese können die Immunglobuline nicht mehr absorbieren. Gleichzeitig setzt eine enzymatische Verdauung der Globuline ein.

Da die Bildung der Immunglobuline im Euter der Stute im Lauf der Zeit rasant abnimmt und gleichzeitig auch die Fähigkeit des Fohlendarms zur Absorption der Immunglobuline sich massiv verringert, muss das Fohlen spätestens 1 bis 2 Stunden nach der Geburt aufstehen und die erste Biestmilch getrunken haben.

Häufige kleine „Mahlzeiten“ sind angebracht, sonst besteht die Gefahr von Verdauungsstörungen. Das Fohlen sollte selbständig trinken oder im Notfall mit Hilfe einer Saugflasche abgemolkene Biestmilch erhalten. Steht nicht genügend frische Biestmilch zur Verfügung kann schonend aufgetaute Biestmilch aus der hofeigenen „Biestmilchbank“ verwendet werden.

Zur Kontrolle kann der IgG-Gehalt im Fohlenblut ca. 10 Stunden nach dem Abfohlen durch den Tierarzt mit Hilfe von Testkits bestimmt werden. Ist der Sollwert nicht erreicht, kann Plasma aus der hofeigenen „Plasmabank“ eingesetzt werden. Nach ausreichender Biestmilchaufnahme müssen die IgG-Werte des Fohlens denen der erwachsenen Pferde entsprechen.

Bereits nach wenigen Tagen versuchen die Fohlen neugierig und spielerisch feste Nahrung aufzunehmen. Sehr gutes Heu, das jung geschnitten und hygienisch einwandfrei ist, kann zur freien Verfügung angeboten werden. Bei Weidegang reduziert sich die Heumenge entsprechend.

Bereits mit Beginn der 3. Lebenswoche ist die Beifütterung mit einem hochwertigen Fohlenfutter (Fohlenstarter, Youngster etc.) notwendig, um eine ausreichende Versorgung mit essentiellen Aminosäuren und ausgewählten Spurenelemente und Mengenelementen sicher zustellen. Der Zugang von Saugfohlen zu Salzlecksteinen muß ausdrücklich unterbunden
werden, da den Fohlen bereits genügend Natrium zur Verfügung steht und eine Überversorgung zur Gefahr werden kann.

Das „Treiben“ der Fohlen durch hohe Energiegaben darf grundsätzlich nicht stattfinden, da so entstandenes „Übergewicht“ eine hohe Druckbelastung auf die Gelenke ausübt. Dadurch kann es eventuell zu Knochenreifungsstörungen kommen. Eine ausreichende Bewegungsmöglichkeit des Fohlens auf der Weide ist für eine gesunde Entwicklung des Bewegungsapparates zudem unerlässlich.

Allgemein muss die Versorgung mit Energie dem Entwicklungsstand des Fohlens, der quantitativen und qualitativen Nährstoffversorgung über die Milch bzw. dem Grundfutter (Heu, Weide) genau angepasst werden, damit aus kleinen Fohlen große Sieger werden.

pferde-futter-shop.de © 2018 | © Template BannerShop24 | www.media-creativ-team.de